CEOs for Berlin diskutieren mit Prof. Dr. Michael Hüther

Text Jörg K. Ritter I Koordinator CEOs for Berlin

Trotz eisglatter Straßen haben sich 30 CEOs am Abend des 5. Februar im Restaurant der ESMT Berlin getroffen, um mit Prof. Dr. Michael Hüther, dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über die gegenwärtige Lage der deutschen und der Berliner Wirtschaft zu diskutieren.

Überraschend für viele war gleich zu Beginn der Ausführungen von Michael Hüther, dass die Bundesregierung offensichtlich die erforderlichen Weichenstellungen für ein notwendiges Wachstum richtig entschieden und vorgenommen hat, allerdings vor allem kommunikative Fehler dazu führen, dass bei den Unternehmen und Bürger:innen bislang eine andere Wahrnehmung entstanden ist.

Hüther hat sich in seiner Keynote insbesondere mit den Erfordernissen im Bereich der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Rentenpolitik sowie mit der Notwendigkeit der Steigerung der Investitions- und Innovationskraft der deutschen und europäischen Unternehmen beschäftigt. Die dafür notwendigen Voraussetzungen seien zwar von der Politik in Berlin und Brüssel richtig erkannt, aber die Umsetzung wie die dringend notwendige Senkung von Energie- und Arbeitskosten für deutsche Unternehmen, die schnellere Aktivierung der Investitionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur u.a. führen noch nicht dazu, dass die deutsche Wirtschaft nachhaltig wächst und der Mittelstand, die fast 2.000 Hidden und Global Champions, sich auf diesem Kurs mitgenommen fühlt.

In diesem Zusammenhang widersprach der IW-Direktor der gegenwärtigen Debatte über ‚Faulheit‘ und ‚Lifestyle‘. Stattdessen benannte er den demografischen Wandel als das größte Problem und wirtschaftliche Herausforderung. Nur wenigen sei klar, dass in der Zeit von 2025 bis 2029 rund 5,1 Millionen Menschen in Deutschland in Rente gehen, aber nur 2 Millionen junge Arbeitskräfte nachkommen. So entsteht eine Lücke von 3,1 Millionen Menschen. Diese vor allem strukturelle Lücke wird man nicht allein durch den Einsatz von KI lösen können.

Er betonte daher nachdrücklich, dass es eine gesellschaftliche Diskussion darüber geben müsse, wie wir mit dieser Verknappung umgehen, wenn wir auch zukünftig eine starke Industrie als die Basis für unseren Wohlstand definieren wollen. Deshalb sei es nicht hilfreich, ständig Negativgeschichten zu erzählen. Aber genauso verkehrt sei es, von den Gewerkschaften teilweise völlig überzogene Lohnforderungen und Arbeitszeitregelungen zu verlangen, die die Unternehmen in Deutschland in eine Lage bringen, notwendige Zukunftsinvestitionen und damit Arbeitsplätze in Frage zu stellen. Vielmehr müssten Lösungsansätze diskutiert werden, etwa wie sich das Arbeitszeitvolumen erhöhen lässt, zum Beispiel wie aus Teilzeit mehr Vollzeit und ein höheres Renteneintrittsalter – gekoppelt an die Lebenserwartung – erreicht werden kann.

In der Diskussion ging es auch um die gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch fünf Landtagswahlen in diesem Jahr entstehen können. Dabei wies Hüther auf eine aktuelle Studie seines Instituts hin, in der sehr detailliert die Wahlprogramme und Ziele der AfD analysiert worden sind, die einerseits von völlig unrealistischen ökonomischen Annahmen ausgehen und andererseits zu einer weiteren dramatischen Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen führen würden!

Dr. Brigitte Lammers, Senior Advisor Egon Zehnder, ging in ihrem Beitrag auf die veränderten Anforderungen und Kompetenzen ein, die für eine erfolgreiche Tätigkeit eines CEOs notwendig geworden sind. Die Teilnehmer:innen erhielten Einblick in eine aktuelle Egon Zehnder Studie „The CEO Response – Accepting Uncertainty, CEOs Bet on New Levels of Adaptability“, in der die Antworten von 1235 global CEOs analysiert worden sind.

In diesem Zusammenhang wurde Egon Zehnder, Strategischer Partner des VBKI Forum CEOs for Berlin, dafür gedankt, dass sie auch durch ein Sponsoring ein solches jährliches Dinner ermöglichen.

Der Dank ging ebenfalls auch an Dr. Matthias Koch, der als neuer COO & CFO der ESMT Berlin und Host dieses Abends einen Einblick in die beeindruckenden Ergebnisse der führenden Business School Deutschlands gegeben hat. Im Anschluss an das Dinner nahm Matthias Koch die Gäste mit auf eine Führung durch das Gebäude und gewährte dabei exklusive Einblicke in dessen bewegte Vergangenheit

Die European School of Management and Technology Berlin (ESMT) hat ihren Sitz im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin-Mitte. Dort befand sich zu DDR-Zeiten der Staatsrat der DDR. In die Fassade ist zudem das Portal IV des früheren Berliner Schlosses integriert – von dessen Balkon Karl Liebknecht 1918 die „Freie Sozialistische Republik“ ausrief.

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